Glosse: Malen wie Michelangelo…

… Gedenkstein Fritz Abelein

RamsteinAbelein09

Dieses Jahr jährte es sich zum 30. Mal das schreckliche Unglück in Ramstein, wobei Fritz Abelein zu Tode kam. Ein Bericht, Interview, das ich mit Werner Metzger als Augenzeuge machte, ist hier zu lesen.

Immer, wenn ich an dem Gedenkstein vorbei komme, lese ich erst sein Gedicht, eine „Ode an die Natur“ und schaue dann auf den Gedenkstein und mir gehen auch Erinnerungen von damals durch den Kopf.

Auch ich selbst habe eine schlimme Erinnerung daran. Jedes Jahr veranstaltete unser Sportverein in Mannheim-Käfertal, wo ich als Vorstand tätig war, einen Tag „Unser Verein stellt sich vor“.
Alle unsere 10 Sparten zeigten Vorführungen ihrer Sportart. Dazu standen unser Sportplatz mit Sporthalle zur Verfügung.
Gegen 16.00 Uhr kam plötzlich eine Unruhe auf und wir erfuhren von dem Unglück in Ramstein. Auch von unseren Sportkameraden waren einige in Ramstein. Zu Tode kam niemand, aber einige trugen schwere Brandverletzungen davon durch das heiße Kerosin.
Wir beendeten sofort unsere Sportveranstaltung, aus Pietät , wie auch, weil Angehörige nach Hause eilten.

Schon lange fiel mir auf, dass die Farbe auf dem Gedenkstein für Fritz Abelein abgeblättert war.
Also besorgte ich mir weiße Farbe vom Steinmetz in Feuchtwangen und machte mich auf den Weg. Zuerst galt es die Restfarbe sowie Moos mit einer Drahtbürste vom Stein zu entfernen.

RamsteinAbelein03

Dann begann ich mit der „Malerei“, eigentlich male ich Bilder, aber keine Schrift auf einem Stein. Zumal es vor dem Stein sehr uneben bzw. abschüssig ist.
Durch das vorhergehende Abbürsten, zitterte meine Hand so sehr, dass ich sie auf einen zweiten Pinsel stützen musste, um nicht den Stein zu verschmieren.
Ich merkte bald, dass diese Position nicht so geeignet ist, also kniete ich mich vor den Stein und begann mit der Arbeit.

RamsteinAbelein05

Nach dem Kreuz kam das „A“, da war es besser aufzustehen und von oben die Schrift anzubringen, dachte ich.
Das bewährte sich auch nicht so, deswegen legte ich mich erst auf die linke Seite, dann auf die rechte Seite.
Und als alles nicht half, legte ich mich auf den Bauch.

RamsteinAbelein07

Mit viel Geduld und Ausdauer ist mir es dann letztendlich gelungen, die Schrift auf dem Gedenkstein wieder aufzufrischen und war froh, als ich endlich fertig war.

In liegenden und knienden Stellungen malte Michelangelo im 16. Jahrhundert die Decke der Sixtinischen Kapelle (500 qm) im Vatikan aus.

Hans-Peter Scheurer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s