Generalsanierung unserer Kirche 2012 – Teil 1

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Baumaßnahmen an der Kirche in Unterampfrach

Gespräch mit Herrn Michael Büchler, Architekt und Bauleitung

 

Herr Büchler, warum sind die Baumaßnahmen für unsere Kirche erforderlich?

Baumaßnahmen nach 25 Jahren sind nicht ungewöhnlich. Nachdem bei Voruntersuchungen einige gravierende Schäden entdeckt wurden, sind wir dankbar, dass die evangelische Landeskirche derzeit mehr Geldmittel zur Verfügung stellt, so dass wir diese beseitigen können.

Wann wird mit den Baumaßnahmen begonnen ?

Das ist jetzt witterungsabhängig, Mitte April nach Ostern.

Welche Gebäudeteile sind betroffen ?

Alle Gebäudeteile, die Reihenfolge der Baumaßnahmen richtet sich nach den Witterungsverhältnissen.

Welche Mängel sind aufgetreten ?

Es sind erhebliche Mängel im Dachstuhl vorhanden (verfaulte Balken) sowie statisch relevante Risse im Mauerwerk.

Wofür waren die Voruntersuchungen notwendig ?

Es wurden umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt. Dies ist üblich bei Maßnahmen von solchem Umfang. Die Landeskirche und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege fordern aus gutem Grund die Voruntersuchungen durch Sonderfachleute. Dadurch erhalten Bauherr und  Architekt Erkenntnisse von unabhängiger Seite und können Maßnahmen zielgerichteter, kostengenauer und zeitlich besser abgestimmt planen und durchführen. Eine Restunsicherheit bleibt, da keine Bauteilöffnungen durchgeführt wurden. Während der Baumaßnahmen können sich also durchaus noch Änderungen ergeben, die der Bauleiter dann festlegt und evtl. den beteiligten Sonderfachmann dann hinzuzieht.

Folgende Voruntersuchungen wurden durchgeführt:

  • Statische Untersuchungen des Dachstuhls, der statisch relevanten Risse im Mauerwerk und der Empore. Überall wurde durch den Statiker dringender Handlungsbedarf festgestellt. Das Gutachten wurde auf Wunsch der Landeskirche und wegen der erheblichen statischen Mängel durch einen zweiten Sachverständigen bestätigt.
  • Weiter gab es ein Baugrundgutachten bezüglich der Gründung des Turmes, da der Turm sich ca. 25 cm neigt. Der tragfähige Baugrund beginnt bei ca. 9,5 m Tiefe. Derzeit wird noch ein Geomeßprogramm mit jährlich wiederkehrenden Messungen durch geführt, um festzustellen, wie sich der Turm bewegt und ob eine Unterfangung notwendig wird. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt.
  • Da im Turm erhebliche Risse sichtbar sind (ca. 2 cm breit an der Innenseite des Turmes) wurde ein Resonanzgutachten erstellt, um festzustellen, ob das Glockenläuten mit ursächlich für die Rissbildung sein könnte.
  •  In diesem Zusammenhang wurde auch der zuständige Glockensachverständige konsultiert. In beiden Gutachten weisen die Sachverständigen darauf hin, dass der Läutewinkel der Glocken nachjustiert werden muss. Optimal wäre eine um 90 Grad gedrehte Auflagerung des Glockenstuhls im Turm, um die Krafteintragung in den Turm durch die Schwingung der Glocken zu verringern. Ursächlich für die Rissbildung sind die Schwingungen aus dem Geläut jedoch nicht.
  • Der Orgelsachverständige stellte Sanierungsbedarf bei der Orgel fest. Dies geschehe im üblichen zeitlichen Rahmen und sichere eine Funktionstüchtigkeit der Orgel für die nächsten Jahrzehnte. Insgesamt sei die Orgel in gutem Zustand.
  •  Das Holz wurde auf Schädlingsbefall untersucht. Dabei stellte die Sachverständige erhebliche Schädigungen im Dachstuhl durch Pilzbefall fest. Das befallene Holz ist zum Teil nicht mehr tragfähig und muss ersetzt werden. Im Bereich des Gestühls wurde nur partieller Befall durch Holzschädlinge festgestellt. Dieser kann (im Gegensatz zu der Meinung einer Fachfirma, die eine Begasung vorschlug) lokal behandelt und beobachtet werden. Lediglich die Stütze unter dem Orgelspieltisch sei zu ersetzen.
  • Das Holz wurde auch auf Holzschutzmittel untersucht, da im Dachstuhl ein Hinweis auf eine Holzbehandlung aushängt. Bei positivem Befund wäre das Holz nach AltholzVO als Sondermüll zu behandeln und die Arbeiter müssten persönliche Schutzmaßnahmen ergreifen. Das Ergebnis der Laboruntersuchungen war glücklicherweise negativ.
  • Der Fledermausbeauftragte der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt fand Nachweise für das Vorkommen von großem Mausohr und Langohr, sowie Schleiereulen und mind. 3 Brutpaare vom Mauersegler. Dies hat keinen Einfluss auf den Fortgang der Sanierungsarbeiten. Es sind jedoch diesen Tieren weiterhin die bisherigen Möglichkeiten offenzuhalten oder Ersatzmaßnahmen zu treffen.

Alle diese Untersuchungen sind in diesem Rahmen üblich und wurden auf ein Minimum beschränkt. LKA und BLfD fordern diese Untersuchungen. Sie dienen eben auch einer gezielten und sparsamen Verwendung der finanziellen Mittel zur Erzielung eines möglichst langfristigen Erfolges der Sanierungsmaßnahmen im Sinne der Landeskirche, des Denkmalschutzes und vor allem auch im Sinne unserer der Kirchengemeinde. 

Beispiel: Kosten der Untersuchung auf Holzschädlinge durch eine Fachfirma: 0,00 €. Daraus resultierende Sanierungskosten durch Firma: 10.000,00 € für die Begasung des Kirchenraumes gegen Käfer (Kostenvoranschlag lag der Untersuchung bei). Kosten der Untersuchung durch eine öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Holzschädlinge: ca. 800,00 €. Kosten der Sanierung der Schäden durch tierische Holzschädlinge: ca. 100,00 bis 200,00 € für lokale Behandlung und weitere Beobachtung durch die Kirchengemeinde.

Wer ist noch in die Baumaßnahmen eingebunden ?

Alles geschieht in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem BLfD, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, sie sind in den Prozess eingebunden und müssen auch über die weitere Entwicklungs- und Baufortschritte informiert werden. Auch muss eine Kostenplanung mit den Ämtern abgesprochen werden.

Können Gottesdienste während den Baumaßnahmen in der Kirche gehalten werden ?

Nein, wegen dem Innengerüst und zum Teil sind die Bänke ausgebaut. Das Innengerüst wird wegen den Putzarbeiten benötigt und dient zur Sicherung der Zimmerer bei der Reparatur des Gebälkes.

In welcher Zeit kann mit der Fertigstellung der Baumaßnahmen gerechnet werden ?

Das ist witterungsabhängig oder es treten unvorhergesehene Ereignisse ein. Ziel ist aber 2012 die Baumaßnahmen abzuschließen.

Wie sieht die Kostenverteilung aus ?

Aus Eigenmittel der Kirchengemeinde Unterampfrach
Weitere Mittel:
– von der politischen Gemeinde
– 
vom Bezirk und Landkreis
– vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
– von der Bayerischen Landesstiftung
– 
von der evang.-.luth. Kirche in Bayern

Sind Firmen aus der Region beteiligt ?

Vom Landeskirchenamt sind wir zu öffentlich-rechtlichen Ausschreibung zwecks Vergabe gezwungen, sonst gibt es keine Zuschüsse. Natürlich werden die Betriebe aus der Region auch angeschrieben. Immerhin beteiligt sich das Landeskirchenamt mit 50% der Kosten.

Herr Büchler, ich danke Ihnen für das informative Gespräch und
wünsche einen guten und zügigen Verlauf der Arbeiten.

pesche/büchler
Stand 02/2012

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